Gesundheit

Unsere wichtigsten Forderungen vorab, wir wollen:

  • die Gründung einer medizinischen Fakultät prüfen, mit dem Ziel spätestens 2035 die ersten 100 Absolventen zu verabschieden.
  • die öffentlichen Investitionen in unsere Kliniken schrittweise auf die notwendige Höhe anheben.
  • Notfallambulanzen entlasten und ambulante Portalpraxen auf den Weg bringen.
  • das Gesundheitswesen mit einer ‚digitalen Krankenakte‘ transparenter und effektiver machen.
 Stethoskop

Unsere Ideen und Impulse aus dem Wahlprogrammkapitel gibt es hier nochmal zum Nachlesen:

  1. Auch Dank eines geradezu atemberaubenden wissenschaftlichen Fortschritts in der Medizin steigt die durchschnittliche Lebenserwartung und kann bis in das hohe Alter eine zunehmende Lebensqualität sichergestellt werden. Wie in kaum einem anderen Land der Welt profitieren breite Bevölkerungsschichten von diesen Entwicklungen. Dennoch gibt es zahlreiche Probleme: Eine zunehmende Überforderung der Krankenhäuser, die unter einem gewaltigen Kostendruck zu leiden haben. Eine sich in der Fläche unserer Städte auseinanderentwickelnde Hausärzte- und Fachärzteversorgung. Notfallambulanzen, die ständig an den Belastungsgrenzen arbeiten. Wir wollen die bestehenden Strukturen, in der die Verantwortung für das Gesundheitswesen in einer Bündelung von öffentlichen und privaten Einrichtungen wahrgenommen wird, unter Berücksichtigung des demografischen Wandels, zukunftsfest gestalten. Wir wollen eine qualitativ hoch- und gleichwertige Versorgung für alle Bremerinnen und Bremer.
  2. Grundlage und Basis einer guten medizinischen Versorgung ist die allgemeinmedizinische haus- und kinderärztliche Betreuung, die wir für alle Stadtteile ortsnah und schnell verfügbar sicherstellen wollen. Dazu wollen wir mit den Interessenverbänden und insbesondere die kassenärztlichen Vereinigungen eine neue sozialraumorientierte Bedarfsplanung, in Verbindung mit Anreiz- und Förderprogrammen (z.B. durch Mietunterstützung), insbesondere für jüngere Medizinerinnen und Mediziner, auf den Weg bringen. In der Städte- und Quartiersplanung muss zukünftig die Versorgung mit ortsnaher verfügbarer medizinischer Kompetenz von vornherein mitgedacht werden. Um Lücken zu schließen und um schnell medizinische Hilfe vor Ort zu bringen, wollen wir, wo möglich, das Instrument der Telemedizin weiterentwickeln und einsetzen. Diese kann, z.B. per Video-Verbindung, einen Beitrag dazu leisten, in Ergänzung des klassischen Arztbesuches häufiger, individueller, regelmäßiger und ortsunabhängiger als bisher den Rat eines Mediziners oder einer Medizinerin einholen zu können.
  3. Prävention und Akutmedizin, Beratung und Behandlung, Information und Intervention müssen zukünftig mehr als bisher Netzwerke bilden. Zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung muss auch eine Verbesserung des Gesundheitsverhaltens kommen. Integrierte Versorgungszentren auf der einen und Gesundheitstreffpunkte auf der anderen Seite sollen das nach unserer Vorstellung ortsnah sowie fachlich bzw. zielgruppenspezifisch sicherstellen. So können sich für uns fachärztliche Intervention und allgemeine Prävention, z.B. auch für eine bessere Ernährung ergänzen. Insbesondere in die präventive Arbeit wollen wir in dort tätige Einrichtungen, die mit einem Bildungsauftrag Menschen erreichen, mehr investieren. Neben mehr Wertschätzung von ehrenamtlichem Engagement in diesem Bereich, werden wir in jeder Bildungs- und Betreuungseinrichtung zukünftig mindestens eine Präventionsfachkraft einsetzen.
    arzt
    1. Wir werden unsere Kliniken aus dem derzeit ständigen Krisenmodus herausführen. Das Nebeneinander von öffentlichen und von Kliniken in nichtöffentlicher Trägerschaft hat sich bewährt, muss aber mehr als bisher zum gegenseitigen Nutzen und zum Heben von Synergieeffekten geführt werden. Unsere öffentlichen Krankenhäuser, die mehr als zwei Millionen Menschen aus Bremen und ‚Umzu‘ behandeln, wollen wir gleichzeitig an allen vier Standorten erhalten und spezialisieren. Für Bremerhaven ist insbesondere der Standort Reinkenheide mit seiner ‚Maximalversorgung‘ zu sichern und wir treten nachdrücklich dafür ein, bestehende Qualitätsstandards, z.B. auch in der Neonatologie, für die Stadtgemeinde zu erhalten. Grundsätzlich wollen wir
      1. die öffentlichen Investitionen in unsere Kliniken schrittweise auf die notwendigen Mittel erhöhen,
      2. die gemeinsame Planung zum Krankenhausbedarf und zur wissenschaftlichen Begleitung unserer medizinischen Einrichtungen insbesondere mit den niedersächsischen Umlandgemeinden intensivieren, und
      3. zur Entlastung der Notfallambulanzen in den Kliniken gemeinsame ambulante Portalpraxen auf den Weg bringen, um ‚echte‘ Notfälle schneller und sicherer als bisher von Vermeintlichen unterscheiden zu können.
    2. Darüber hinaus wollen wir digitale Mittel der Kommunikation nutzen, um spezifische Angebote zur Prävention durch ein zusätzliches, mehrsprachiges und virtuelles Gesundheitszentrum bekannt zu machen, das, öffentlich organisiert, von Einrichtungen der Gesundheitsvorsorge (z.B. auch Sportvereinen) und der Beratung mitgenutzt werden kann. Wir wollen, dass gesundheitliche Angebote, Beratung und Hilfe, unabhängig von Ort und Zeit, für alle Bürgerinnen und Bürgern niedrigschwellig zugänglich sind.
      1. Von zentraler Bedeutung ist für uns, die Möglichkeiten der Digitalisierung für das Gesundheitswesen schnell und offensiv nutzbar zu machen. Im Sinne der Patientinnen und Patienten geht es uns um: Mehr Transparenz, Selbstbestimmung und Versorgungssicherheit für die Betroffenen, nahtlose und schnellere Kommunikation zwischen Ärzten und anderen Akteuren im Gesundheitswesen, aber insbesondere um mehr Zeit im Verhältnis vom Arzt zum Patienten. Wir wollen durch Digitalisierung Abläufe erleichtern und damit die Behandlungsqualität steigern. Der Patient soll weniger Objekt und mehr als bisher selbstbestimmter und aktiver Beteiligter sein. Als ein Kernanliegen werden wir dazu in die Entwicklung der ‚digitalen Patientenakte‘ einsteigen und sie möglichst schnell flächendeckend einführen. Dazu wollen wir im Rahmen eines zentralen Projektes,
        1. aus dem Krankenhausfonds insgesamt 30 Mio. Euro mobilisieren und innerhalb von fünf Jahren die Pflegedokumentation vollständig digitalisieren,
        2. den Informationsaustausch und die Zusammenarbeit zwischen Kliniken, behandelnden Ärzten, Apotheken und auch Rehabilitationseinrichtungen zur Diagnose, Therapie und Medikation digital organisieren,
        3. ein zwischen Haus- und Fachärzten vernetztes Terminmanagement aufbauen, das insbesondere bei Überweisungen sowohl für die Patienten als auch für die Praxen schnellere und einfachere Planbarkeit bedeutet,
        4. Transparenz über die Verfügbarkeit z.B. von Diagnose- und Therapieausstattungen verbessern, um z.B. fachliche Unterstützung bei Operationen von Ferne schneller als bisher zu gewährleisten,
        5. einen Beitrag zur Entbürokratisierung z.B. im Abrechnungswesen gegenüber den Krankenkassen zu schaffen,
        6. die Kommunikation innerhalb größerer Einrichtungen im Gesundheitswesen verbessern, sodass z.B. Personal effektiver gesteuert, die Auslastung bis zum Operationssaal optimiert und das Controlling von Kosten bis zur Hygiene auf einheitliche Standards und Verfahren gebracht wird, und
        7. dem Patienten einerseits mehr Sicherheit und Kenntnis über die von ihm gespeicherten Daten geben und andererseits für mehr Transparenz über die abgerechneten Leistungen zur Reduzierung von Fehlerquoten sorgen.
      2. Insbesondere im Gesundheitswesen ist die Digitalisierung ein komplexer und längerfristig anzulegender Prozess mit einer Vielzahl von Akteuren. Einzubinden sind alle, vom niedergelassenen Arzt, über die Therapieeinrichtungen, Krankenkassen bis hin zum Personal der Krankenhäuser in unterschiedlicher Trägerschaft. Von besonderer Bedeutung ist ein solches Kompetenzzentrum auch als Anlaufstelle für Patienten, die Fragen oder Bedenken haben. Wir wollen um diesen Prozess realisieren und steuern zu können ein ‚Kompetenzzentrum für Digitalisierung im Gesundheitswesen‘ schaffen, das alle Beteiligten einbindet und wo notwendig deren Qualifizierung ermöglicht, Transparenz schafft, Standards setzt und kontrolliert sowie Patienten informiert und berät. Ein solches Kompetenzzentrum wäre zusätzlich eine wichtige standortpolitische Maßnahme, denn es könnte auch überregional wirken, zusätzliche qualifizierte Arbeitsplätze schaffen, spezifische Kompetenz nach Bremen bringen oder hier binden. Es wäre gleichzeitig ein wichtiges Instrument gebündelter Zusammenarbeit mit überregionalen Einrichtungen, z.B. des Bundes, oder könnte für andere Gemeinwesen Funktionen im Bereich der Digitalisierung im Gesundheitswesen mit übernehmen.
      3. Wir tragen für die Rahmenbedingungen eines guten und zukunftsfähig aufgestellten Gesundheitswesens politische Verantwortung. Wir wertschätzen dazu die unverzichtbaren Beiträge der Kliniken in nichtöffentlicher Trägerschaft sowie die der niedergelassenen Ärzte, Apotheker und der vielfältigen therapeutischen Berufsgruppen. Unsere unmittelbare Verantwortung gilt aber den städtischen Kliniken und wir bekennen uns zur ‚Gesundheit-Nord‘ als kommunalem Klinik-Verbund. Dazu ist für uns unabdingbar,
        1. die Krankenhäuser im städtischen Klinikverbund Gesundheit Nord (GeNo) zu sanieren und damit strukturell und finanziell auf eine dauerhaft tragfähige Grundlage stellen. Dazu gehört auch die ‚GeNo‘ von den Schuldenrisiken durch den Teilersatzneubau am Klinikum Mitte zu entlasten und organisatorisch zukunftsfähig aufzustellen,
        2. die Entwicklung der Einnahmen in Zusammenarbeit mit Kassen und anderen Verantwortungsträgern, wie z.B. dem Bund, bei den Krankenhäusern sowohl bei den Investitionen als auch durch die sog. Fall-Pauschalen berechenbarer und auskömmlicher zu gestalten, um gleichzeitig die damit verbundenen Haushaltsrisiken der Kommunen zu reduzieren, und
        3. die einzelnen Krankenhäuser im Klinikverbund unter Erhalt der Notfallversorgung bei der Entwicklung von medizinischen Profilen zu unterstützen. So werden wir z.B. die für das Klinikum Bremen-Ost bereits 2013 beschlossene Psychiatriereform umsetzten und gleichzeitig die Geriatrie zu einem Zentrum mit überregionaler Bedeutung ausbauen.
      4. Die medizinisch-wissenschaftliche Entwicklung, die Sicherung insbesondere auch hochqualifizierten Nachwuchses sowie die Anziehungskraft des Standortes auch für Spezialisten im medizinischen Bereich müssen aus unserer Sicht zusammengedacht werden. Dazu gehört nicht nur, dass alle Berufe des medizinischen Sektors einschließlich aller Therapieberufe ohne eigene Kosten erlernbar sein müssen. Dazu gehört auch, dass Bremen in einem stärker als bisher durch Konkurrenz gekennzeichneten Arbeitsmarkt ‚Medizin‘ eigene Anstrengungen zur Aus- und Fortbildung von Ärztinnen und Ärzten aufbaut. Wir wollen das Cluster ‚Gesundheitswirtschaft‘, das an unseren Hochschulen bereits besteht, durch die Einrichtung einer medizinischen Fakultät stärken. Diese wollen wir unter Einbindung unserer Kliniken an der Universität Bremen und im Wettbewerb der Ideen entwickeln, gründen und spätestens 2035 die ersten 100 Absolventinnen und Absolventen verabschieden. Wir erwarten dadurch für die Universität nicht nur Impulse für die nächste Runde der Exzellenzinitiative und einen Beitrag zur Verminderung des Risikos durch einen Ärztemangel in unserem Bundesland, sondern auch Beiträge, das in Bremen und Bremerhaven schnell verfügbare medizinisch-wissenschaftlichen ‚Know-How’s‘ zu bündeln. Darüber hinaus wollen wir damit eine Stärkung des wirtschaftlichen Teils der Gesundheitswirtschaft an unserem Standort. Dazu wollen wir, wie schon an anderen Hochschulstandorten üblich, einen (virtuellen) Campus ‚‘Life Sciences‘ schaffen, der insbesondere den Austausch der medizinischen, biologischen und sozialwissenschaftlichen Fakultäten ermöglicht und verdichtet, sodass durch die Neugründung einer medizinischen Disziplin an der Universität ein Mehrwert auch für andere Fachbereiche von Beginn an entsteht.